Rezension: (((S))) - Welcome To The Heartland | AMuBlo - Alternative Music Blog

Rezension: (((S))) - Welcome To The Heartland

(((S))) - Welcome To The Heartland
Konzeptalben sind auch heutzutage noch etwas Wunderbares. Seit der Einführung diverser Download-Formate etwas in den Hintergrund getreten, gibt es glücklicherweise immer noch Bands, die sich für diese Form der Albenzusammensetzung entscheiden. Eines dieser Gesamtkunstwerke ist das insgesamt sechzehn Titel umfassende und mittlerweile vierte Full-Length-Album Welcome To The Heartland des dänischen Ein-Mann-Projekts (((S))). Bestehend aus acht Hauptsongs in einer gelungenen Retro-Sound-Mischung der 60er- bis 80er-Jahre und acht Zwischenstücken, in denen eine Erzählstimme umgeben von sphärischen Klängen durch das Album führt, bietet Welcome To The Heartland ein knapp 43-minütiges zusammenhängendes Nostalgie-Sounderlebnis.

Die Reise ins "Heartland" des Protagonisten beginnt mit einer Begrüßung zu Meditationsklängen (Welcome To The Heartland) und führt direkt zu dem euphorischen Gitarrenstück Snakebite, inklusive Schlangenbeschwörungspart gegen Ende des Songs. Mit einem hallenden Echo Descending folgt anschließend eine Überleitung zu dem eingängigen Post-Punk-Song House, der wiederum mit einer treffsicheren Beschreibung des Hauses des Protagonisten einhergeht. Nach der beruhigenden Information, dass dieses Wände, Fenster und Türen hat, wird bei I've Got The Melody Deep in My Heart textlich stellenweise noch einmal auf den eigenen Song In A Shadow Of A Shadow vom Debüt-Album Ghost zurückgegriffen. Mit Perfectly Imperfect folgt ein Glanzstück im 60er-Jahre Psychedelic-Rock-Stil, bei dem der Name Programm ist. Ob The Naked Nude auch Perfectly Imperfect ist, bleibt offen. Deutlich hingegen lässt der Protagonist an seiner Affinität zu dem italienischen Maler Caravaggio teilhaben. Caravaggio On My Mind ist jedoch nicht der einzige Song des Albums, der trotz seines düsteren Goth-Rock-Backgrounds einen erhellenden Charakter hat. Letzterer strahlt weiter zu der partiell engelsgleichen Klanglandschaft von The Walker, in der man fast schon im Jenseits landet, nur um dann doch wieder im ganz normalen Wahnsinn anzukommen. Dort herrscht mit dem tanzbaren Track Madhouse erneut gute Stimmung. Nachdem die Erzählstimme bei The Lions Weep ausnahmsweise statt eines Monologs auch mal einen, von diffusen Geisterstimmen umgebenen, Dialog führen darf, folgt mit Over and Out ein klassischer und naturgemäß etwas ruhiger gehaltener Hangover-Song. Anschließend meldet sich der Erzähler mit A Romance With Your Own Monologue wieder zu Wort. Diese ist allerdings nicht von langer Dauer und mit 1:06 Minute das kürzeste Intermezzo des Albums. Wo sind sie abgeblieben, die Sons Of The Defeated? Dieser Frage wird in einer lässigen Indie-Rock-Nummer nachgegangen. Kurz vor Ende des Trips wird von der Erzählstimme noch beruhigend darauf hingewiesen, dass im "Heartland" die gleichen ungeschriebenen Gesetze wie in Las Vegas gelten (What Happens In The Heartland Stays In The Heartland). Was dann folgt, ist eine Abschiedsfeier, auf der der wavige Party-Song Hey Echo läuft.

Wer den 80er-Jahre Goth-Rock-Sound à la Bauhaus, Virgin Prunes und Sex Gang Children mag und musikalisch auch den vorangegangenen Jahrzehnten im Sinne von The Doors, Pink Floyd und Deep Purple etwas abgewinnen kann, wird Welcome To The Heartland lieben. Alle Tracks sind auch unabhängig voneinander gut anhörbar. Die bessere Alternative ist jedoch, das Album so zu nehmen wie es ist, um zu erkennen, dass ein neuer Lieblingssong gerne auch mal 43 Minuten lang sein darf. Gute Musik ist eben in jeder Hinsicht zeitlos.

Bandcamp-Seite von (((S))): fustydk.bandcamp.com
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