Rezension: The Morning After - Unfolding The Days | AMuBlo - Alternative Music Blog

Rezension: The Morning After - Unfolding The Days

The Morning After - Unfolding The Days
Sofortbildkameras, Musikkassetten und mechanische Schreibmaschinen: Relikte aus längst vergessenen Tagen erinnern uns an die Vergangenheit. Etwaige negative Aspekte, wie teure Foto-Filme, Bandsalate oder kaum korrigierbare Texte, werden in der Retrospektive naturgemäß verklärt wahrgenommen. Wir erinnern uns lieber an die ersten grandiosen Schnappschüsse, an die in Retro-Klangqualität selbst erstellten Mitschnitte von Radiosendungen oder an das musikalische Klackern der Schreibmaschine. Nicht verwunderlich, dass das Thema Nostalgie insbesondere in der Werbung und in der Kunst allgegenwärtig scheint.

Auch die Indie-Rock-Band The Morning After setzt mit den insgesamt elf Songs ihres zweiten Albums Unfolding The Days auf das Thema Nostalgie. Obwohl Liedern wie Over And Over eine gewisse Wehmut anhaftet, gelingt es dem Album, nicht ins Kitschige abzudriften und einer dramatisierenden „Früher war alles besser“-Mentalität gekonnt zu umgehen. Des Weiteren überzeugt Over And Over durch seine wohlklingenden Arrangements und einen zum Einsatz kommenden Chor, der alles andere als altbacken wirkt. Noch melancholischer wird es bei Whoohoo Pt. I (Another Life) und Whoohoo Pt. II (Maybe Tomorrow), bei denen insbesondere der ungeschnörkelte Gesang der Band fasziniert. Freunde der gepflegten Tanzmusik kommen bei Nummern wie Head/Heart oder Symmetry auf ihre Kosten. Die Single- und Videoauskupplung Head/Heart punktet durch ihre Unkompliziertheit und Eingängigkeit. Symmetry erinnert durch ein markantes Gitarrenspiel stellenweise an The Smiths.

Unfolding The Days hebt sich von so manch belanglosen Indie-Pop-Scheiben ab, da die Songs nicht mit endlos wiederkehrenden und gleichbleibenden Strophen unnötig in die Länge gezogen werden. Zusätzlich hält das Album viele Überraschungsmomente bereit. Beinahe jedes Lied beeindruckt durch unerwartete Wendungen und außergewöhnliche Zwischenparts, was besonders deutlich bei dem rhythmischen Zwischengesang von Sweet Destroyer oder den abwechslungsreichen Takten von The Light zu hören ist. Dennoch überfordert das Album den Hörer nicht und verbreitet die Art von Lässigkeit, die man aus dieser Musikrichtung gewohnt ist. Somit hat Unfolding The Days das Potenzial in ein paar Jahren selbst zu einem Relikt zu werden, an das man sich gerne zurückerinnert.

Homepage von The Morning After: www.themorningafter.de.
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